Hallo Bernd,
vielen Dank, dass Du Dich trotz der Länge durch meine Beschreibungen "gekämpft" hast. Es ist nicht leicht, die Theorie in praxisnahe Beispiele zu betten.
Ich vermute die Missverständnisse rühren daher, dass die zwei Formeln zwei völlig unterschiedliche Effekte beschreiben, die aber im Falle einer Spule letztendlich auf das gleiche Ergebnis herauslaufen. Dabei ist es wichtig, die zeitliche Komponente der Vorgänge zu berücksichtigen.
Also Formel 2 beschreibt den Vorgang, dass sich die Anzahl der Magnetfeldlinien die durch die innere Fläche einer Spule treffen ändert. Wenn ich eine Spule nehme und einen Magneten quer dazu darüber "fahre", dann treffen irgend wann alle Magnetfeldlinien durch die Spuleninnenfläche und wenn der Magnet wieder neben der Spule ist keine Magnetfeldlinie mehr (wenn ich die außen am Magneten zurückfließenden Magnetfeldlinien wegen geringerer Dichte sehr großzügig vernachlässige). Wenn Du Dir dieses Szenario vorstellst, dann schaltet der Magnet das Magnetfeld, das in der Spule wirksam wird, genau ein Mal "ein" und "aus". Sorry, wenn ich so einfache und vielleicht ungewohnte Begriffe verwende. In diesem Versuch polt noch nix um.
Deine Beobachtungen, die Du bei den Messungen machst, entsprechen der Formel 1. Diese darfst Du bei Formel 2 versuchen zu "vergessen". Ich weiß, das widerstrebt, aber sonst kommst Du aus den Missverständnissen nicht heraus. Formel 2 ist mehr theoretisch zu verstehen, denn unsere Anwendung, lassen den anderen Effekt deutlicher werden.
Formel 1 beschreibt ja das Überstreichen des Magneten eines Leiters. Deswegen ist beim Eintritt in die Spule eine hohe induzierte Spannung und beim Austritt in die Gegenrichtung messbar.
Formel 2 beschreibt es so, dass Spannung induziert wird, wenn die Magnetfeldlinien zunehmen und in die andere Richtung induziert wird, wenn die Anzahl der Magnetfeldlinien wieder abnimmt.
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Punkt 3: Ja! Formel 1 berechnet den Peak-Wert. Wenn ich ein konstantes Magnetfeld hätte bleibt auch die induzierte Spannung immer Upeak. Darauf bezog sich meine Formulierung "eigentlich" homogen. Klar kann/darf man auch diese Formel auch verwenden, wenn man einfach alle Zeitabschnitte ermittelt und anschließend den Mittelwert bildet.
Ich sehe keine Wiedersprüche in unseres Aussagen, höchstens unterschiedliche Beschreibungen des gleichen Sachverhalts. Was wem zur Veranschaulichung dienlicher ist, ist ja auch nicht entscheidend.
Lieben Gruß
Richard, der keineswegs als Besserwisser auftreten will, sondern ausschließlich um tieferes Verständnis bemüht ist, um anschließend ein Optimum zu finden. Und das am liebsten gemeinsam, denn nur dann wird es DAS Optimum.