Generatorwerbung ala USA

Generatorwerbung ala USA

Beitragvon Bernd » So 23. Jan 2011, 10:39

In Amerika gibt es eine neue Firma für Vertikalwindräder und Zubehör, sie nennt sich US-VAWT.
Angeboten werden sollen diverse selbstproduzierte Vertikalwindräder und Generatoren.
Wie so häufig versucht man anscheinend auch diesmal die eigenen Produkte in ein besonders gutes Licht
zu setzen. Auf der Webseite gibt es eine Grafik in der es so scheint also ob das eigene Generatorprodukt
das beste überhaupt wäre.

Bild

Tatsächlich zeigt man aber mindestens in einem Fall, in dem des Ginlong Generators, eine
Leistungskurve die schlicht nicht den Tatsachen entspricht. Ob die anderen eingezeichneten Kurven auch nicht
stimmen kann ich nicht beurteilen ....
Amerikaner werben gerne mit einem direkten Vergleich, aber bitte dann ehrlich und nicht so... :shock:
Auf der Ginlongseite kann man die Daten des Generators nachlesen, da steht 0,4 Ohm und nicht 4 Ohm. ;)
Die Ginlongkurve ist also 10x zu schlecht in der US-VAWT Grafik dargestellt. Ob das Absicht war ? .... :roll:
http://www.ginlong.com/download/200908/ ... _Sheet.pdf

Die Grafik taugt aber prima um ein paar weitere Generatoren hinzuzufügen.
So schneidet mein Fisher Paykel Waschmaschinenmotor im Vergleich deutlich besser ab als das US-VAWT Produkt.
Allerdings muss man zugeben das der Waschmaschinenmotor im Gegensatz zum US-Produkt ein deutliches Anlaufmoment hat.
Ich habe die korrekte Kurzschlussleistungskurve für den von Max konstruierten Scheibengenerator aus dem
Kleinwindanlagenshop, dessen Test hier im Forum nachzulesen ist, sowie die Kurve für meinen Waschmaschinenmotor
und die korrigierte und nun auch korrekte Kurve für den Ginlong der Grafik hinzugefügt.
Auf einmal steht das US-VAWT Produkt in einem ganz anderen Licht dar, irgendwie ist es leider immer das gleiche. ;)
Please be honest, US-VAWT !

Die Formel für die Kurzschlussleistung lautet = erzeugte Spannung²/Innenwiderstand

Bild

Im übrigen finde ich diese Darstellungsweise, also eine Kurve der Kurzschlussleistung, eine super Idee !!
So werden Generatoren völlig unabhängig von dem ausgegebenen Spannungsniveau direkt untereinander vergleichbar.
Man muss nicht erst komplizierte Formeln quälen, man erkennt auf einen Blick welche Leistung bei welcher
Drehzahl möglich wäre. Allerdings wäre eine Darstellung der maximalen Abgabeleistung wohl besser. Diese beträgt
ein Viertel der Kurzschlussleistung. Man entlarvt sofort Generatoren mit miesen Werten. Tolle Sache.

Grüsse

Bernd
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Re: unehrliche Generatorwerbung

Beitragvon Manfred » So 23. Jan 2011, 16:58

Hallo Bernd,

um zu einem "ehrlichen" Generator zu kommen habe ich mal so ein bisschen rum gegoogelt und folgendes gefunden.
frameless motor data.png
frameless motor data.png (33.89 KiB) 7630-mal betrachtet
framless motor.png
framless motor.png (55.3 KiB) 7630-mal betrachtet

Das Modell S-240-83 -A könnte das eventuell die rechte Technik für ein Windgenerator sein ? Bei 200 rpm liefert das Teil 600 W.
Bei diesem Teil ist der Luftspalt mit 0,6mm recht eng. So komme ich zu der Annahme ( durch eigene Versuche bestätigt ) das der Luftspalt doch ein wichtiger Faktor für einen Generator ist. Wieso und warum ?
An meinem Neuzugang, dem Waschmaschinenmotor ist auch ein Hallsensor mit 5 Anschlüssen vorhanden. Wofür der gut ist ? Ich vermute mal das hat etwas mit der Drehzahlsteuerung zu tun.

Grüsse
Manfred

stelle gerade fest Dein Chart hat schon Zuwachs bekommen, so ergibt sich eine schöne Übersicht der Generatoren.
Manfred
 
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Re: unehrliche Generatorwerbung

Beitragvon Bernd » So 23. Jan 2011, 18:48

Hallo Manfred, hast du noch ein paar Infos zu deinem super flachen "rahmenlosen" Generator ?
Welchem Einsatzzweck dient er und ist es ein eisenloser oder ein "normaler" ? Firma ?

So von den Werten her ist dieser flache Motor sicher nicht schlecht geeignet als Generator. Es kommt natürlich
immer darauf an was man für ein Windrad baut und was man da als Generator benötigt. Wenn es eine Konstruktion
mit Eisenkernen in den Spulen ist, davon gehe ich aus, dann hat so ein Motor als Generator betrieben meist
ein nicht unerhebliches Anlaufmoment. Leider schweigen sich Tabellen darüber meistens aus, weil dieser Wert
im Motoreinsatz meist völlig egal ist.
Auf jeden Fall bräuchte dieser Motor schon ein sehr drehmomentstarker Windrad. Für den direkten Einsatz an
einem 12V Akku wäre das Ding, trotz seiner Grösse und Leistung, aufgrund seinen hohen Innenwiderstandes nur
sehr bedingt geeignet. Ganz anders sieht das aus wenn man daran z.B. einen Einspeisewechselrichter hängen würde
oder z.B. einen 48 V Akku.

Der geringe Luftspalt ist beim eisenlosen Ringgenerator so wichtig weil der magnetische Fluss mit zunehmenden Abstand
vom Magnetring immer geringer wird. Auf den ersten Millimetern ist der Fluss am höchsten und bleibt auch die ersten
paar Millimeter halbwegs konstant. Je kleiner der Generator umso wichtiger wird ein kleiner Luftspalt da bei kleinen
Magneten der Effekt das der Fluss mit der Distanz abnimmt, noch ausgepägter ist als bei grossen.

Generatoren mit Eisenkernen sind darauf angewiesen das der Luftspalt möglichst klein ist weil der normale Fluss
in diesen Generatoren durch Eisen führt und bei der Auslegung eine Luftstrecke einen grossen Störfaktor darstellt.
Theoretisch könnte man auch dort einen grösseren Luftspalt akzeptieren, aber dann müssten stärkere und teurere
Magnete verwendet werden.

Die Hallsensoren sind einmal zur Drehzahlerfassung aber auch zur Anlaufsteuerung. Bei einem Synchronmotor
ist beim Anlauf die Stellung der Magnete zu den Spulen wichtig. Die Steuerung muss dann die richtigen Spulen zur
richtigen Zeit in der richtigen Polarität mit Spannung versorgen, sonst läuft der Motor rückwärts an. :)
Die Hallsensoren geben der Steuerung die benötigten Informationen darüber wie Magnetrotor und Spulenpaket gerade
zueinander stehen. Danach richtet sich dann die Ansteuerung der 3 Phasen.

Grüsse

Bernd
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Re: unehrliche Generatorwerbung

Beitragvon Manfred » So 23. Jan 2011, 21:24

Hallo Bernd,

Firma http://www.aerotech.com/products/motors/sspecs.html
Ich habe framless motor gegoogelt und da kommt jede Menge an Info`s hoch. Mein Gedanke ist, da muss es doch auf dieser Welt einen Hersteller für einen Generator geben der für Kleinwindanlagen bestens geeignet ist. Ich denke die kommerziellen Hersteller von Windkraftanlagen kochen auch nur mit Wasser.
Diese Vorprodukte bestehend aus Rotor und Stator werden ja von irgend jemand produziert. Aber wer, den zu finden habe ich gehofft.
Eine Anfrage in diese Richtung für meinen Modellgenerator habe ich heute gemacht. Was dabei heraus kommt darüber werde ich berichten.
Mein Favorit ist nach wie vor Deine Konstruktion der eisenlose Generator. Bei dem Oberteil für meine Lagerböcke habe ich einen Fehler gemacht und warte nun auf das neue Modell für die Giesserei.
Generatorabmessung.jpg
Generatorabmessung.jpg (66.84 KiB) 7592-mal betrachtet

Die Zeit werde ich nutzen und die Spulen wickeln.

Grüsse
Manfred
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Re: unehrliche Generatorwerbung

Beitragvon Bernd » So 23. Jan 2011, 21:40

Es gibt sicherlich einige Hersteller die auch eisenlose Generatoren herstellen.
Neben einigen asiatischen ist unter anderen die deutsche Firma Perm zu nennen.
Natürlich haben auch "eiserne" ihre Vorteile, wie geringeren Preis und oft auch geringere Abmessungen.
Den absoluten Leichtanlauf bieten aber nur die eisenlosen. Was die Optik anbelangt hast du auf jeden
Fall die richtige Wahl getroffen. :)

Grüsse

Bernd
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Re: Generatorwerbung ala USA

Beitragvon luftikus » Do 10. Mär 2011, 12:46

Hi Bernd,

in Deinem ersten Beitrag zu diesem Thread hast Du den Ginlong Generator korrigiert. Wenn man den Widerstandswert wie in dem verlinkten Sheet verwendet und mit der Leerlaufspannung bei 100 RPM (siehe Grafik 2) die Leistung berechnet, landet man genau bei der von Dir korrigierten Kurve. Die Grafik ganz oben links auf dem Sheet stellt allerdings ziemlich genau die Kurve dar, die US-VAWT verwendet hat :?: Auch die Leistungsangaben im Sheet mit der entsprechenden Nenndrehzahl (500W bei 450 RPM) passen mehr zu der US-VAWT-Kurve, als zu der korrigierten. Das hiesse, das die 0.4Ohm im Sheet auf 4 korrigiert werden müßten. Wo der Fehler jetzt liegt, bleibt dann ohne praktischen Test doch offen, oder?

Gruß, Andreas
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Re: Generatorwerbung ala USA

Beitragvon Bernd » Do 10. Mär 2011, 16:24

Hallo Andreas, gut das du hier nochmal nachhakst dann kann ich einiges erklären.

Zum ersten darfst du bitte nicht die Kurve einer Kurzschlussleistung (Steve und meine) mit der Kurve
einer Abgabeleistung (Ginglong) durcheinander würfeln bzw. vergleichen. Das sind zwei ganz verschiedene Paar Schuhe.

Nun zu der Glaubwürdigkeit dieser amerikanischer Werbung. ;)
Steve hat sich ein paar extrem schlechte Generatoren heraus gesucht mit denen er seine eigenen Generatoren vergleicht.
"Glücklicherweise" gibt es auf dem amerikanischen Markt reichlich solcher miesen Produkte für so einen Vergleich.
Ziel ist es dabei natürlich das eigene Produkt in einem besonders guten Licht darzustellen und die Vergleichsprodukte alt
aussehen zu lassen.
Vergleichende Werbung, teils sehr unseriös, ist nach meiner Erfahrung typisch für den amerikanischen Markt.

Neben den extrem miesen (Billig)Generatoren in Steves Grafik kam ihm der Umstand eines Tippfehlers auf der Ginglongseite
gerade recht. Hier wurde versehentlich anstatt des korrekten Wertes von ca. 0,4 Ohm ein Wert von 4 Ohm ausgewiesen.
So konnte er auch ein nahmhaftes 500 Euro Produkt schlecht im Vergleich zum eigenen Produkt aussehen lassen.
Der Erschaffer der US-VAWT Grafik ist ja nicht dumm sondern ein Generatorexperte.
Er wusste ganz genau das der 4 Ohm Wert nicht stimmen konnte, es passte aber nunmal so gut in sein "seriöses" Vergleichskonzept. :)

Im amerikanischen VAWT Forum wurde Steve dann von einem anderen User (nicht von mir) angesprochen der Besitzer genau
dieses Ginglong Generators ist. Der User hatte seinen eigenen typengleichen Ginglong Generator vermessen und kam auf 0,32 Ohm.
Da Steve keine Reaktion zeigte nannte dieser User etwas später ein weiteres mal seinen Messwert von nur 0,32 Ohm.
Steve erwiderte dann das auf der Ginglongseite aber 4 Ohm steht und er daher diesen Wert nimmt....wissend das er damit
bewusst den Ginglong Generator mind. um den Faktor 10 zu schlecht abschneiden lässt.....

Ich finde solche unseriöse, bewusst für die Konkurenz nachteilig manipulierte Werbung erbärmlich, vor allen von einer Firma
die gleich auf ihrer Startseite damit wirbt das sie besonders objektiv und ehrlich wäre.
Vergleicht man die US-VAWT Produkte sachlich mit diversen anderen "normal" guten Generatoren dann schneiden die
US-VAWT Produkte nicht gerade gut ab, siehe Grafik weiter oben. Allerdings kostet so ein Generator auch "nur" ca.
380 Dollar.

P.S. mit 4 Ohm könnte der Ginglong Generator nie 500 Watt abgeben.... eher 50 Watt :)
Ginglong haben ihren Fehler irgendwann erkannt und danach den Wert auf ihrer Website auf 0,4 korrigiert.
Mit 0,32 Ohm wäre die Ginglongkurve sogar noch 20% positiver als in meiner Darstellung.

Wie hat man mir doch so treffend im Amiforum erläutert, " Business is Business and justifies everything Bernd ".
Mag für das Amiland zutreffen, ich bin anders geschnitzt. ;)

Grüsse

Bernd
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