Ein wenig Stömungslehre und der Betzsche Faktor

wieviel Energie steckt im Wind

Ein wenig Stömungslehre und der Betzsche Faktor

Beitragvon MaRiJonas » Fr 27. Jan 2012, 08:50

Hallo zusammen,

so langsam dämmert mir, was für grundsätzliche Überlegungen und Bedingungen zu einem idealen Windrad führen könnten, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Also erst Mal ein wenig Strömungslehre um den Betzschen Faktor:

Wie sind die Luft- oder Massenstromverhältnisse, wenn man möglichst viel Bewegungsenergie aus dem Wind ziehen will?

Vor dem Hindernis (Windrad) bildet sich ein Staudruck (sinnbildlich stauen sich über den zeitlichen Verlauf die Strömungslinien und stehen ganz dicht nebeneinander. Da die Strömungslinien da dichter stehen fließt der Luftstrom quasi schneller.

Hinter dem Hindernis ist irgendwann wieder ein ausgeglichener gleichmäßiger Luftstrom vorzufinden.

Da die Luftmengen vor und hinter dem Windrad zwangsläufig gleich sind, ist die Vergleichsfläche vor dem Windrad kleiner als hinter dem Windrad anzunehmen. Ganz weit hinten, im Unendlichen ;), herrscht wieder eine homogene Strömung, da der entstandene Kanal sich langsam wieder auflöst.

Durch Herleitung aus Formeln ergibt sich ein Optimum, wenn die Windgeschwindigkeit vor dem Windrad 3 mal größer ist als hinter dem Windrad.

Wenn wir jetzt ein Windrad bauen wollen, das möglichst wenig Reibung, Turbulenzen (sinnlose, bzw. ungenutze Bewegungsenergie) erzeugt, sollten 2/3 der Luftmenge so durch das Windrad strömen, dass 8/9 der Bewegungsenergie dem Wind entzogen wird. Dann erreichen wir den höchsten Wirkungsgrad. Das sagt kurzum, der Betzsche Faktor aus.

Herzlichen Gruß

Richard
Zuletzt geändert von MaRiJonas am Do 2. Feb 2012, 12:30, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Ein wenig Stömungslehre und der Betzsche Faktor

Beitragvon MaRiJonas » So 29. Jan 2012, 07:22

Hallo zusammen,

um den oben beschriebenen Sachverhalt noch etwas anschaulicher zu beschreiben habe ich Euch folgende Skizze gemacht:

Betz_tube.jpg
Betz_tube.jpg
Betz_tube.jpg (139.75 KiB) 13548-mal betrachtet


Der effektiv wirksame Durchmesser ist also D1 und nicht, wie bei den meisten Auslegungen verwendete Durchmesser D des Windrades.

Hier vorne aus der Fläche A1 kann man eben maximal 100% der Energie nutzen, denn der Rest strömt ungenutzt am Rotor vorbei.
Man kann daran leider nix ändern, außer man würde im Grenzbereich, wo die Luft außen am Rotor vorbeiströmt, aus den auftretenden Turbulenzerscheinungen etwas aus der vorbeiströmenden Energie wieder "hereinholen". Dann würde man rein theoretisch den Wirkungsgrad auf etwa 62% steigern können.

v1 ist die Windgeschwindigkeit der Umgebung mit der wir immer rechnen.

v wäre dann 0,577 * v1 wenn die Geschwindigkeitsabnahme vor dem Rotor und nach dem Rotor im gleichem Maße erfolgt (Wurzel aus 3)

v2 ist 0,333 * v1

Viel Erfolg

Richard
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Re: Ein wenig Stömungslehre und der Betzsche Faktor

Beitragvon Ekofun » Do 2. Feb 2012, 16:17

Hallo MariJonas,

In bücher habe gelesen das dem Wind 1/3 freie lauf lassen soll und andere 2/3 sind Nuzwirkung abzüglich Verluste.Habe da was falsch verstanden?
Und Ihre Zeichnung zeigt eine H-Windrad,denke das ist bei Vertkalen anderes,die arbeiten mehr oder weniger auf Wiederstandprinzip,Horisontalräder auf Auftrieb.Das sind bedeutende Unterschiede wo möglich auch in Berechnungen,denke mal,oder?Meine,das kann nicht gleich sein. :?

Grüße

Ekofun
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Re: Ein wenig Stömungslehre und der Betzsche Faktor

Beitragvon MaRiJonas » Do 2. Feb 2012, 18:18

Hallo Ekofun,

Ekofun hat geschrieben:In bücher habe gelesen das dem Wind 1/3 freie lauf lassen soll und andere 2/3 sind Nuzwirkung abzüglich Verluste.Habe da was falsch verstanden?


Grundsätzlich hast Du da nix falsch verstanden, das besagt auch das Betzsche Gesetz. 1/3 des Windes bläst außen am Windrad vorbei, wenn es dort positioniert ist, wo es eingezeichnet ist.
Wenn Du das Windrad ganz vorne bei v1 einzeichnest bzw. betreibst, dann lässt Du 1/3 der Luft freien Lauf, die anderen 2/3 bremst Du auf 1/3 der ursprünglichen Geschwindiglkeit ab. Da kommen die 8/9 her, die Du nutzen kannst. 1/9 entspricht der Energie, die die Luft mit der Geschwindigkeit von v2 noch hat.

Vorne bei v1 würdest Du den Widerstandsläufer platzieren und hinten den Auftriebsläufer, vermute ich Mal, egal ob horizontale Windanlage oder den Darrieus.
Der lässt viel von dem Wind durch und entzieht gleichmäßiger dem Wind die Geschwindigkeit. Der Staudruck baut sich langsamer auf und ist somit viel weiter vor dem Windrad.
So stelle ich mir das bildlich vor. Keine Ahnung, ob das auch so ist.

Allerdings würde in diesem Konzept der Auftriebsläufer dem Betz vielleicht mehr entsprechen, denn es "vertreibt" den Wind nicht so, ist quasi durchlässiger. Das würde auch erklären, warum Auftriebsläufer dem Betzschen Faktor näher kommen als Widerstandsläufer. Beim Widerstandsläufer ist das immer extrem, entweder er steht im Weg, dann strömt die Luft um die Fläche herum, und das gewiss nicht mit nur 1/3 der vorherigen Geschwindigkeit. Oder es lässt die Luft "frei" durchstömen, dann aber auch ungenutzt.

Das wäre Mal spannend, wenn man einen Widerstandsläufer aus Lochblech machen würde?! Aber vermutlich sind für den "schlechteren" Wirkungsgrad einfach "nur" die Turbulenzen schuld.

Viele Grüße

Richard

P.S.: Danke Ekofun, für´s mitdenken! Dank Dir habe ich jetzt festgestellt, wovon es vermutlich abhängt, wo man im "Betzschen" Strömungskanal das Windrad positionieren kann/soll. Das ist nämlich nicht festgelegt.
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Re: Ein wenig Stömungslehre und der Betzsche Faktor

Beitragvon Ekofun » Sa 31. Mär 2012, 15:59

hallo,

habe eine Frage: Laut Theorie Drehzahl vom Windrad hängt vom Durchmesser aber auch vom Flügelzahl.Z.B.bei H-Windrad ist Zweiflügler am schnelsten,3-Flügler um 1/3 langsamer,und so weiter.Also Laut Theorie ist Windrad mit mehrere Flügellangsamer(Drehzahl) egal wie seine TSR ist. :?:
Das ist bei H-Räder.

Ist das gleiche auch bei Vertikalen Windräderund wen ja dann ist ein Savonius oder andere mit mehr Flügel noch mal langsamer als er nur zwei Flügel hätte.
Durchströmrotor(Savonius) hat drei Flügel und wenn er zum B. 50 U/min haben laut Rechnung sollte hat er dan 1/3 weniger.Wäre dann 50/3 * 2 = 33,3 U/min.Alle Beispiele ohne Belastung.

Ist das so oder nicht?Wenn ja dann ist es besser Räder mit nur zwei Flügel machen und nexste Etage wider mit zwei Flügel aber versetzt,dann ist gerechnete Drehzahl da.

Diese Sachne stehen in Bücher über Windräder,leider nur für H-Anlagen,keine Wort über Vertikalen.

Grüße

Ekofun
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Re: Ein wenig Stömungslehre und der Betzsche Faktor

Beitragvon Bernd » Sa 31. Mär 2012, 17:00

Das TSR ist beim Auftriebsläufer eine Sache der Auslegung/Konstruktion.
Ein einflügeliges Horizontalwindrad muss schneller drehen damit der Flügel mehr Fläche überstreicht
die er "abernten" kann. Verwendet man zwei, drei oder mehr Flügel kann das Windrad langsamer drehen
und trotzdem wird quasi die gleiche "Fläche" durch die Flügel abgeerntet.

Von alleine dreht ein Einflügler nach meinem Wissen aber nicht schneller, sondern das Rotorblatt muss
für das höhere TSR ausgelegt worden sein, sprich wenn ich bei einem Dreiflügler zwei Rotorblätter
entfernen würde, dann würde er mit dem verbliebenen einen Blatt kaum schneller drehen als zuvor weil
die Blattgeometrie dafür nicht vorgesehen ist.

Ich habe Versuche mit 1, 2 und 3 flügeligen C-Rotoren gemacht nach genau diesem Prinzip, also einem
3 flügeligen C-Rotor habe ich ein bzw. 2 Blätter entfernt.
Erstaunlicherweise war der 3 flügelige sogar der der am schnellsten rotierte. Das hängt sicher auch damit
zusammen das der 3 flügelige die meiste Leistung produzierte.
Aus dem gleichen Grund sind einflügelige C-Rotoren auch völlig sinnfrei.

Bei einem Widerstandsläufer oder einer Bauart die überwiegend nach diesem Prinzip arbeitet muss das
Nutz-TSR immer deutlich unter 1 liegen, aber nicht zu tief sonst sinkt der Wirkungsgrad.
Dort ist also kaum Spielraum für eine Geschwindigkeitsveränderung.

Ob ein normaler Savonius schneller dreht als ein dreiflügeliger "Durchströmrotor" kann ich nicht sagen.
Ich glaube sie werden sich nicht groß unterscheiden.

Grüsse

Bernd
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Re: Ein wenig Stömungslehre und der Betzsche Faktor

Beitragvon Ekofun » Sa 31. Mär 2012, 18:12

Danke Bernd,das hilft mir weiter.

Grüße

Ekofun
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